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Neuraltherapie / Nerven(wurzel)blockaden

Periradikuläre Therapie (PRT) in Köln-Lindenthal: gezielte, ultraschallgesteuerte Injektion an die gereizte Nervenwurzel – wann sie sinnvoll ist und wann nicht.

Neuraltherapie / Nerven(wurzel)blockaden

Ein Bandscheibenvorfall drückt auf eine Nervenwurzel, der Schmerz zieht ins Bein, Tabletten reichen nicht. In dieser Lage kommt eine gezielte Spritze an die gereizte Nervenwurzel infrage — die periradikuläre Therapie, kurz PRT. Sie ist kein Ersatz für die Behandlung der Ursache, sondern soll den Schmerz so weit senken, dass Bewegung und Training wieder möglich werden.

Was bei der Behandlung passiert

Nervenwurzeln treten seitlich aus dem Wirbelkanal aus. Werden sie eingeengt — durch eine vorgewölbte Bandscheibe, durch knöcherne Anbauten oder durch eine enge Stelle im Kanal —, schwillt die Wurzel an und sendet Schmerzen in das Gebiet, das sie versorgt. Bei der periradikulären Therapie wird ein Medikament unter Bildkontrolle direkt an diese Stelle gebracht. Ein örtliches Betäubungsmittel unterbricht die Schmerzweiterleitung sofort, ein entzündungshemmender Zusatz soll die Schwellung zurückgehen lassen.

Die Bildsteuerung ist dabei kein Zusatz, sondern der Kern des Verfahrens: Nur so landet das Medikament an der Wurzel, um die es geht, und nicht daneben. Die aktuelle S3-Leitlinie zu epiduralen Injektionen nennt die Durchleuchtung als Goldstandard und lässt CT oder Ultraschall als Alternativen zu.

In meiner Praxis wird die Nadel durchgehend unter Ultraschallkontrolle geführt. Die Lage lässt sich damit in Echtzeit verfolgen, und die Behandlung kommt ohne Röntgenstrahlen aus. Ehrlich dazu gehört: Die Studien, auf denen die starke Leitlinienempfehlung beruht, wurden unter Durchleuchtung durchgeführt; den Ultraschall führt die Leitlinie als zulässige Alternative.

Von der Nervenwurzelblockade zu unterscheiden ist die Neuraltherapie. Dabei werden örtliche Betäubungsmittel und homöopathische Mittel oberflächlich in schmerzende Bereiche oder in die Nähe von Narben gespritzt. Beide Verfahren nutzen ähnliche Substanzen, verfolgen aber unterschiedliche Ziele und haben eine sehr unterschiedliche Datenlage.

Wann eine Spritze an die Nervenwurzel sinnvoll ist

Die beste Datenlage hat die Behandlung bei radikulären Schmerzen durch einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule, also wenn der Schmerz vom Rücken aus ins Bein zieht und die Untersuchung zu einer bestimmten Nervenwurzel passt. Die S3-Leitlinie „Epidurale Injektionen bei degenerativen Erkrankungen“ von Juni 2025 empfiehlt für diesen Fall: Transforaminale Injektionen unter Durchleuchtung „sollten bei radikulären Schmerzen durch einen lumbalen Bandscheibenvorfall angeboten werden.“ Die Empfehlung beruht auf hoher Evidenz und wurde im Konsens aller Beteiligten verabschiedet.

Weniger klar ist die Lage bei der Spinalkanalstenose. Die Leitlinie hält für diese Diagnose ausdrücklich fest, dass Evidenz fehlt. Ich setze die Injektion dort ein, um eine Phase zu überbrücken, nicht mit dem Versprechen einer dauerhaften Besserung.

Was die Studien zeigen — und wo sie auseinandergehen

An dieser Stelle gibt es einen Unterschied, den Sie kennen sollten. Die deutsche S3-Leitlinie bewertet die Evidenz für den Bandscheibenvorfall als hoch. Die großen internationalen placebokontrollierten Auswertungen fallen zurückhaltender aus: Ein Cochrane-Review von 2020 mit 25 Studien und 2.470 Teilnehmern fand für Beinschmerzen kurzfristig eine Verbesserung um 4,93 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 und für die Funktion um 4,18 Punkte — statistisch belegbar, aber möglicherweise unterhalb dessen, was ein Patient als bedeutsamen Unterschied empfindet.

Zur Wirkdauer ist die Lage einheitlich: Der Effekt ist kurz- bis mittelfristig, er lässt über Monate nach. Und ein Punkt, bei dem ich ausdrücklich widerspreche, wenn er Ihnen anderswo versprochen wird: Eine Operation lässt sich damit nicht zuverlässig vermeiden. Eine Auswertung von 72 randomisierten Studien mit 7.701 Patienten kommt zu dem Ergebnis, dass epidurale Injektionen die Notwendigkeit einer Operation nicht verringern. Die Leitlinie formuliert das Ziel nüchterner: Die Schmerzreduktion soll ermöglichen, dass die konservative Therapie weitergeführt werden kann.

Zum entzündungshemmenden Zusatz sagt die Leitlinie offen, dass eine Empfehlung dazu, ob er die Wirksamkeit verbessert und in welcher Dosierung, nicht gegeben werden kann. Außerdem sind Kortisonpräparate für die epidurale Anwendung nicht zugelassen; die Anwendung erfolgt also außerhalb der Zulassung. Darüber kläre ich Sie vor der Behandlung auf.

Die Neuraltherapie steht auf deutlich dünnerem Boden. Es gibt zu ihr keine systematische Übersichtsarbeit auf dem Niveau der oben genannten, keine Leitlinienempfehlung und keine Bewertung durch die Institute, die solche Verfahren prüfen. Was vorliegt, sind Fallserien ohne Kontrollgruppe. Die örtliche Betäubung wirkt zuverlässig schmerzlindernd — dass sich über sie hinaus ein dauerhafter Effekt auf das Nervensystem erzielen lässt, ist nicht belegt.

Wie die Behandlung abläuft

Vorher sehe ich mir Ihre Bildgebung an, insbesondere das MRT, und gleiche sie mit dem klinischen Befund ab. Nur wenn beides zusammenpasst, wird injiziert. Die Behandlung selbst dauert wenige Minuten. Sie liegen auf dem Bauch, die Haut wird desinfiziert, die Nadel unter Bildkontrolle vorgeschoben, die Lage überprüft und das Medikament abgegeben.

Danach bleiben Sie noch in der Praxis und werden neurologisch nachuntersucht, bevor Sie gehen. Ein vorübergehendes Schwere- oder Wärmegefühl im Bein ist normal. Fahren Sie an diesem Tag nicht selbst, und melden Sie sich, wenn in den folgenden Tagen etwas auftritt, das Sie beunruhigt.

Wie viele Sitzungen sinnvoll sind und in welchem Abstand sie liegen, hängt vom Befund ab und wird individuell besprochen.

Risiken und Gegenanzeigen

Schwere Komplikationen sind sehr selten. Die S3-Leitlinie beziffert ihre Häufigkeit an der Lendenwirbelsäule mit 0,00051 Prozent und an der Halswirbelsäule mit 0,00081 Prozent. Häufiger, bei weniger als fünf Prozent der Behandelten, kommt es zu Kreislaufreaktionen, vorübergehend stärkeren Schmerzen oder Reaktionen auf das Kortison. Selten sind Blutungen, Infektionen und Nervenverletzungen beschrieben.

Wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sprechen Sie mich vorher darauf an — ob sie abgesetzt werden, wird im Einzelfall abgewogen. Nicht injiziert wird bei einer Infektion an der Einstichstelle, bei einer allgemeinen Infektion und bei bekannter Unverträglichkeit gegen die verwendeten Mittel. Warnzeichen wie zunehmende Lähmung oder Störungen von Blase und Darm gehören nicht in die Injektionssprechstunde, sondern sofort abgeklärt.

Was passt wann?

Bei frischem Nervenschmerz stehen Schmerzmittel, Lagerung und Bewegung am Anfang. Reicht das nach einigen Wochen nicht, ist die gezielte Injektion der nächste Schritt — sie wirkt schnell, aber begrenzt. Parallel dazu gehört die Behandlung dessen, was den Reiz unterhält: Krankengymnastik, manuelle Behandlung einer begleitenden Blockierung, später Muskelaufbau. Bleibt eine relevante Lähmung oder werden die Beschwerden trotz allem nicht besser, ist die Vorstellung beim Wirbelsäulenchirurgen angezeigt. Die Injektion verschiebt diese Entscheidung nicht, sie verschafft Zeit, sie zu treffen.

Kosten und Kostenerstattung

Meine Praxis ist seit Oktober 2022 eine reine Privatpraxis für Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und Selbstzahler. Was auf Sie zukommt, hängt von der Zahl der Injektionen, der Bildsteuerung und dem Aufwand der Diagnostik ab. Den Rahmen bespreche ich vor der ersten Behandlung mit Ihnen und halte ihn schriftlich fest. Bei privater Versicherung richtet sich die Erstattung nach Ihrem Tarif.

Die Neuraltherapie ist keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Einzelne Kassen erstatten sie als freiwillige Satzungsleistung; ob Ihre dazugehört, klären Sie am besten vorab dort.

Wer Sie behandelt

Die Injektionen führe ich selbst durch. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, habe die Zusatzbezeichnungen Chirotherapie, Sportmedizin, Akupunktur, Röntgendiagnostik und Notfallmedizin und unterrichte seit 2021 in Injektionskursen für Kolleginnen und Kollegen.

Termin in Köln-Lindenthal

Die Praxis liegt an der Aachener Straße 327 in 50931 Köln. Sprechzeiten montags, dienstags und donnerstags von 8.00 bis 13.00 und von 15.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs und freitags nach Vereinbarung. Termin telefonisch unter 0221 / 33 77 500 oder über das Terminformular. Bringen Sie Ihre MRT-Bilder und den Befundbericht mit — ohne aktuelle Bildgebung lässt sich eine wirbelsäulennahe Injektion nicht verantworten.

Häufige Fragen

1. Tut die Spritze weh?

Der Einstich ist spürbar wie eine Blutentnahme. Unangenehmer ist meist der Moment, in dem das Medikament an die gereizte Wurzel gelangt — das kann den bekannten Schmerz kurz auslösen und geht schnell vorbei.

Der betäubende Anteil wirkt innerhalb von Minuten, hält aber nur Stunden. Was danach bleibt, zeigt sich über die folgenden Tage.

Nicht beliebig oft. Wiederholt wird nur, wenn die erste Injektion erkennbar geholfen hat, und die Gesamtmenge an Kortison pro Jahr ist begrenzt.

Meist ja, am Tag der Behandlung sollten Sie aber nicht selbst Auto fahren und sich schonen.

Nein. Bringen Sie aber vorhandene Bildgebung mit.

Termin in Köln-Lindenthal

Adresse
Aachener Straße 327, 50931 Köln